Kapitel: Leben 2
Ich schreibe ein Buch. Ich bringe meine Geschichte, meine Sicht auf das Leben, meine inneren Worte nach außen. Allein der Gedanke tut so gut. Vor drei Tagen habe ich mich dazu bekannt. Nicht entschlossen, sondern bekannt. Zu dem Wunsch danach. Zu der Sehnsucht, Schriftstellerin zu sein. Drei Tage bin ich ganz ruhig gewesen. Wenn sich etwas fügt, braucht man nicht schnell sein. Ich muss nicht schnell sein, es ist ja beschlossen.
Alles fügt sich: Meine Begeisterung für Paris und die Pariser Bistros. Meine Liebe zu den Menschen der 1920-er Jahre in Paris. Da lebten sie alle, die Schreiber und Maler. Künstlertum wagen. Sich zeigen, sich ausdrücken, ohne sich zu hinterfragen. Im Gegenteil: befeuert, bejaht durch die anderen.
Ich träume mich in Bilder hinein. Bald sitze ich in meinem Lieblingsbistro Le Nemours in Paris und bin Schriftstellerin. Immer noch ich – und Schriftstellerin. Wie viele der schreibenden Zunft vor mir bestelle ich: « un verre de vin rouge », dann öffne ich mein nächstes Manuskript, blicke auf all die Menschen um mich herum und wünsche mir, dass meine Bücher auch hier willkommen sind.